Coming Out Day
- 11. Okt. 2025
- 4 Min. Lesezeit
Was ist der Coming Out Day?
Der Coming Out Day (engl. National Coming Out Day) wird jedes Jahr am 11. Oktober gefeiert – weltweit, aber ursprünglich stammt er aus den USA.
Er wurde 1988 von den queeren Aktivist*innen Robert Eichberg und Jean O’Leary ins Leben gerufen: am Jahrestag des sogenannten Second National March on Washington for Lesbian and Gay Rights, einem großen queeren Protestmarsch 1987.
Warum gibt es den Coming Out Day?
Die Idee dahinter war (und ist) einfach – und gleichzeitig kraftvoll:
Sichtbarkeit schafft Sicherheit. Wenn queere Menschen sich zeigen können – im Alltag, im Freundeskreis, am Arbeitsplatz – dann wird Vielfalt greifbarer. Dann werden Klischees hinterfragt, Berührungsängste abgebaut und Lebensrealitäten sichtbarer.
Es geht dabei nicht um Zwang. Niemand muss sich outen. Es geht vielmehr um ein mutiges Sichtbarwerden, wenn es sich richtig anfühlt. Und um ein solidarisches Raumhalten für die, die es (noch) nicht können.
Warum das immer noch wichtig ist:
Auch heute – Jahrzehnte später – erleben queere Menschen weltweit noch immer:
Diskriminierung & Ausgrenzung
Angst vor Verlust von Familie oder Arbeitsplatz
Unverständnis, Stigmatisierung oder sogar Gewalt
Deshalb braucht es weiterhin Tage wie den Coming Out Day:
Als Mutmacher für alle, die noch zögern
Als Gegengewicht zu Hass & Engstirnigkeit
Und als Erinnerung, dass Identität keine Erklärung braucht – nur Akzeptanz

Warum über Queerness und LGBTQIA*+ Themen bloggen?
Weil Bilder und kurze Clips die komplexen Thematiken der Szene nicht vollständig widerspiegeln können und es dadurch oft zu Verwirrungen in der Welt außerhalb der "Bubble" kommt. Das schürt Vorurteile und fördert Hass und Hetze.
js.colouful.life - Queer Blog
Du bist herzlich eingeladen, durch die verschiedenen Themenwelten zu surfen. Egal ob du auf der Suche bist, dich als Ally informieren möchtest oder vielleicht auch erstmal verstehen möchtest, worum es bei dieser ganzen Regenbogen-Sache und Sprachdiskussion eigentlich geht, bevor du dir deine Meinung bildest.
Was bedeutet "Coming Out" eigentlich?
"Coming Out" meint das Sichtbarwerden der eigenen sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität.
Es gibt zwei Ebenen:
Inneres Coming Out: Der Moment, in dem du für dich selbst erkennst:
>> „Ich bin nicht hetero / nicht cis / nicht binär etc.“
Äußeres Coming Out: Wenn du diese Erkenntnis mit anderen teilst >> z. B. mit Freunden, der Familie oder öffentlich.
Beide Schritte sind unabhängig voneinander. Manche Menschen outen sich nie öffentlich – und das ist genauso okay, denn letzten Endes geht deine Orientierung nur dich und deine(n) Partner:in(nen) etwas an.
Wann ist der richtige Zeitpunkt?
Es gibt keinen festen Zeitpunkt. Du darfst selbst entscheiden, wann, wie und ob überhaupt du dich outest.
Wichtig ist: Dein Coming Out gehört dir. Niemand hat ein Recht, dich zu "outen" oder zu drängen.
Was ist, wenn ich (noch) nicht bereit bin?
Dann ist das total in Ordnung. Coming Out ist ein Prozess, kein Pflichttermin.
Manche outen sich mit 14, andere mit 34 – oder nie.
Jede Geschichte ist anders. Du darfst dir die Zeit nehmen, die du brauchst.
Muss ich mich überhaupt outen?
Nein. In einer idealen Welt wäre ein Coming Out gar nicht nötig – weil niemand Annahmen über dich trifft, sondern dich einfach so nimmt, wie du bist.
Aber in der Realität hilft ein Coming Out oft dabei, sich freier zu fühlen, sich ehrlicher zu zeigen und Verbindungen zu vertiefen – sofern das Umfeld sicher ist.
Wie kann ich jemand anderen beim Coming Out unterstützen?
Hör zu. Ohne zu bewerten.
Frag nicht nach "Beweisen" – du musst es nicht "verstehen", sondern einfach respektieren.
Bleib diskret – ein Coming Out ist oft sehr persönlich. Es gehört nicht dir
Frage, wie du unterstützen kannst.
Feier mit, wenn es gewünscht ist. Oder sei einfach da, wenn es ruhig sein darf.
Wann kommen neue Beiträge?
Einen neuen Blogpost findest du jeden Donnerstag um 18.00 Uhr.
Wenn du nicht nur Lesen, sondern dich auch austauschen möchtest, bist du ebenfalls herzlich eingeladen, unserer Community beizutreten und dich zu vernetzen.
Meine Erfahrungen mit dem Coming Out
Zwischen Mädchenphase und Selbstverständlichkeit
Ich hatte keinen großen Coming-Out-Moment.
Keine flammende Rede. Kein zitterndes Geständnis. Keine Reaktion, die mein Leben auf den Kopf gestellt hätte.
Bei mir war es eher… ein Mitfließen.
Ein "Ist halt so." Ein sanftes Durchwinken von Dingen, die vielleicht für andere ein Stoppzeichen gewesen wären.
Es war nie ganz geheim – aber auch nie ganz ausgesprochen.
Und manchmal frage ich mich, ob mir das was gefehlt hat. Oder ob ich einfach Glück hatte. Vielleicht beides.
Denn was bei mir als "normale Mädchenphase" durchging, war in Wahrheit einfach ein Teil von mir. Keine Phase, keine Flucht, kein Trotz. Einfach… ich.
Der Coming Out Day ist nicht nur für die lauten Geschichten.
Er ist auch für die leisen Prozesse.
Für die inneren Dialoge.
Für das erste Mal, wo du dir selbst gedacht hast: „Hm. Vielleicht bin ich anders. Vielleicht bin ich einfach… ich.“
Er ist für die Menschen, die nie gefragt wurden.
Und für die, die sich selbst nie geantwortet haben.
Er ist für dich – egal, ob du rausgegangen bist, rausgeschrien hast, rausgeflogen bist oder einfach… weitergegangen bist.
Denn „coming out“ ist kein Event. Es ist ein Weg. Und jeder geht ihn anders.
Bleib sanft zu dir – und zu denen, die noch auf dem Weg sind.
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